Vor ein paar Tagen war ich zum ersten Mal seit Jahren im Kino. Reizüberflutung ist nicht so meins, aber es ging um eine Vormittagsvorstellung und ich dachte, das krieg ich hin. Ausgeschlafen, Paracetamol eingenommen und los. Mit drei verschiedenen Niveaus Ohrstöpseln, Sonnenbrille und sehr viel Popcorn saß ich also zwei Tage nach Start der Artemis 2 in "Project Hail Mary" und ließ mich recht aufgeregt auf die Herausforderung ein. Meine von einer Mandelentzündung genesenden Tochter hatte mich begleitet und wir waren beide schlecht vorbereitet. Irgendwas mit Raumfahrt und mondialer Überlebensproblematik. Also verlängerte Tagesschau. Es war mega laut, Stöpselniveau 2 war direkt am Start. Wir mampften eifrig drauf los und als das Licht ausging, legten wir unerlaubt und erwartungsvoll die Beine auf die Rückenlehne der Vorreihe, als uns auffiel, dass da gar niemand saß. Ich guckte mich um und stellte fest, dass ich bis auf 4 andere Waghalsige alleine in dem großen Sall war. Das schraubte die erwartete Überfordeung wieder runter; fand ich gut. Es dauerte nicht lange, da wurde mir klar, dass ich bei diesem Film mit ganz anderen Reizen konfrontiert wurde: er war todtraurig. Ich hab die Hälfte der Zeit fast, richtig oder eingehalten geweint. Emotional ist hier wohl das richtige Wort. Meiner Ältesten ging's nicht anders. Hatte ich komplett nicht mit gerechnet und keine Taschentücher dabei. Ein paar Reihen hinter uns saßen 4 Jungs unter 15, die keineswegs so harmlos waren, wie zuerst gedacht. Ziemlich genervt von Gejohle und fliegendem Popcorn begingen wir die Pause (Film mit Überlänge, oh Mann) voller Erwartung. Ich auf Eiskonfekt, Töchterchen auf die 500 Snaps, die sich inzwischen in ihrem Handy angesammelt hatten. Sie kriegte ihren Willen, ich nicht. Alles Selbstbedienung und nix mit Konfekt. Wir überlebten den 2. Teil mit Klopapier gegen die Tränenflut und waren uns hinterher einig, dass es ein super Film war. Nachdem ich endlich die Ausfahrt aus dem Parkplatz mit den Ausmassen einer Raketenstartbahn gefunden hatte, geblendet von der überraschenden Mittagssonne, sah ich in jeder Mauer, in jedem Baum und auf dem Boden verstecktes Leben und bereute an dieser Challenge nur, dass ich kein in ein Coolpack eingerolltes Eiskonfekt mit reingeschmuggelt hatte.
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